Das Video ist ein sogenannter Deepfake, also eine Fälschung von Ton und bewegten Bildern. Die Fälscher nutzten Bilder einer Rede, die De Croo nach den Wahlen im Juni 2024 gehalten hat. Darin hat er keine derartigen Behauptungen aufgestellt. Das bestätigt auch ein Sprecher von De Croo.
Die Deutsche Presse-Agentur (dpa) kontaktierte den Sprecher von De Croo. Er bestätigte, dass es sich um einen Deepfake handelt und erklärte, man wisse von der Existenz derartiger Filme auch mit anderen Politikern.
Die Fälschung ist nicht von allerbester Qualität. Der Deepfake gibt vor, ein Interview der VRT-Journalistin Hanne Decoutere mit Alexander De Croo zu zeigen, doch einem professionellen TV-Gespräch ähnelt das überhaupt nicht. Die Übergänge sind sehr seltsam, die Bewegung der Lippen entspricht nicht den hörbaren Sätzen und es gibt eigenartige Schnitte. So entsteht der Eindruck, dass jemand die Bilder irgendwo ausgeschnitten und amateurhaft aneinandergehängt hat.
Auch andere Ungereimtheiten fallen auf: Das angebliche Interview mit «James, dem Taxifahrer aus Brüssel» wird mit einem Mikrofon geführt, auf dem «DE» steht. Das ist eigentlich nicht zu erwarten bei der VRT, die traditionell blau-weiße Mikrofone mit «VRTNWS»-Logo verwendet.
Zudem klingt der Akzent der angeblichen Olivia aus Brügge ebenso unglaubwürdig wie der des sogenannten Brüsselers James. Beide sprechen eher mit einem niederländischen Zungenschlag. Darüber hinaus wird der Name De Croo in den Untertiteln falsch geschrieben («De Croe»).
De Croos Rede vom Wahlabend
Die für den Deepfake verwendeten Bilder stammen aus der Rede, die De Croo nach den Wahlen vom Juni 2024 hielt. De Croo übernahm damals die Verantwortung für die Niederlage der flämischen Liberalen.
Sowohl De Croos Kopfbewegungen während dieser Rede als auch der Hintergrund stimmen mit den Bildern des Deepfakes überein. Unklar bleibt, woher die Bilder der angeblichen Interviewten aus Brügge und Brüssel stammen.
Russisches Netzwerk
Andere Politiker wie der heutige Regierungschef Bart De Wever waren ebenfalls schon Opfer solcher Deepfakes. Ein russisches Netzwerk soll hinter diesen Kampagnen stecken und viel Geld damit verdienen, möglicherweise mehr als 100 Millionen Euro pro Jahr.
Einige Tipps, wie man Deepfakes erkennen kann, gibt es auf dieser Seite des Westdeutschen Rundfunks. Oft sind die Texte, die ein gefälschtes Video begleiten, voller Schreibfehler oder die Lippenbewegungen stimmen nicht mit dem Ton überein.
Manchmal kann es auch nützlich sein, die Website der Aufsichtsbehörde für Finanzdienstleistungen und -märkte (FSMA) zu konsultieren. Dort gibt es eine Liste von Unternehmen, die regelwidrig in Belgien aktiv sind.
(Stand: 2.9.2025)